Neowise

Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020 und ich habe meine erste Lehrstunde in Sachen Astrofotografie.

Das Shooting-Objekt meiner Begierde ist ein 4 Milliarden Jahre alter Komet, der rein zufällig der Erde einen kurzen Besuch abstattet. Komet Neowise (benannt nach seinem Entdecker – dem „Near-Earth Object Wide-field Infrared Survey Explorer“) gibt sich die Ehre und wer ihn verpasst, der muss rund 6.800 Jahre auf seinen nächsten Besuch warten.

Sein Durchmesser beträgt rund 5 Kilometer und er hat so viel Wasser an Bord wie in 13 Millionen olympische Schwimmbecken passt, was umgerechnet etwa dem Volumen von 300 Cospudener Seen entspricht.

Am 23. Juli 2020 ist er mit einer Entfernung von etwa 103 Millionen Kilometern der Erde am nächsten.

Soviel zur Statistik. Einen Dank an die Jungs von der NASA.

Natürlich hatte ich mir zum Ziel gesetzt, den außerirdischen Besucher mit meiner Kamera festzuhalten.

Da ich aber eher Gelegenheitsdieb als professioneller Astrofotograf bin, hatte ich natürlich auch nicht die Fotoausrüstung dabei, die ein ambitionierter Sternegucker sein eigen nennt. Das steigerte natürlich die Herausforderung umso mehr.

Was hatte ich denn an Ausrüstung dabei? Ein Zoom-Objektiv von Canon EF 20-200mm 1:2.8 L IS USM. Das schraube ich auf (und hier trickse ich ein wenig und spiele Brennweitenverlängerung) auf eine Canon EOS 70D. Das macht Brennweite 200 mal Crop Faktor 1.6 gleich 320. Dazu sollte noch ein ordentliches Stativ kommen, wobei man hier wirklich nicht das billigste am Markt nehmen sollte. Das Objektiv ist recht schwer und wenn man dann nicht die richtigen Schrauben zum Feststellen hat, sackt die Kamera beim Loslassen leicht nach vorn ab, was man dann höchstens damit kompensiert, indem man die Kamera etwas weiter nach oben ausrichtet. Was soll ich sagen … Ich habe natürlich das billigste Stativ genommen, weil ich mein gutes dummerweise im Studio liegen gelassen habe.

Wichtig für den erfolgreichen Astrofotografen sind folgende Punkte:

  • Den richtigen Ort wählen.
  • Die richtige Zeit wählen.
  • Den Tag mit den besten Wetterbedingungen auswählen.

Was den richtigen Ort betrifft, so hatte ich mir einen kleinen Berg fernab der Stadt ausgesucht, wo ich schon 1995/96 Hale-Bopp beobachtet hatte. Leider hat die Lichtverschmutzung in den letzten Jahren so zugenommen, dass man in manchen Gegenden schon sehr weit fahren muss, um einen ungetrübten Blick auf die Sterne zu bekommen. Was die Zeit angeht, so ist der beste Blick auf die Sterne bekanntlich in der Neumondphase. Für den Kometen musste ich aber lediglich den Sonnenuntergang abwarten. Das hieß durchhalten bis kurz vor Mitternacht. Und was das Wetter angeht, da hatte ich Glück. Keine Wolke aber dafür war es etwas zu kalt.

Die tatsächliche Leuchtkraft des Kometen ist geringer als sie auf den Bildern erscheint. Dies hat zur Folge, dass der Autofokus zumindest an meiner Kamera vollständig versagte. Es war hier also strikte Handarbeit notwendig. Aber auch beim Blick durch den Sucher der Kamera wurde mir schnell klar, dass das mit dem manuellen Fokus mit Blickrichtung auf den Kometen nichts wird, da dieser viel zu dunkel ist. Was also tun? Die Lösung ist eigentlich ziemlich simpel. Man sucht sich einen weit entfernten Referenzpunkt am Boden, auf den fokussiert werden kann. Hat man den gefunden, dann spielt es keine Rolle ob man dort oder direkt beim Kometen die Schärfe misst. Die Einstellungen bleiben, wenn die Entfernung gegen Unendlich geht, nahezu gleich. In meinem Fall war der Referenzpunkt das rote Leuchten der weit entfernten Windräder. In Abwandlung der Mario-Barthschen-Formel kann ich somit sagen: „Ist scharf bei den Windrädern, ist auch scharf beim Kometen“. Hier wäre übrigens auch der Autofokus wieder nutzbar gewesen, wenn man die Technik des halb gedrückten Auslösers beim Zurückschwenken auf den Kometen ausnutzt. Das geringe Licht hat natürlich auch Auswirkungen auf die Einstellung an der Kamera. Natürlich muss die Blende voll geöffnet sein. Mehr als 2.8 war bei meinem Objektiv aber nicht drin. Das reicht aber noch lange nicht. Denn nun beginnt das Spiel oder die Balance zwischen ISO-Werten und Belichtungszeiten. Meine Kamera bietet als höchsten ISO-Wert 12800 an. Das reicht gerade noch dafür ein Bild ohne Stativ aufzunehmen. Ein Beispiel dafür befindet sich gleich oben links in der ersten Reihe. Wie unschwer zu erkennen ist, rauscht es schon ziemlich deutlich. Ich habe am Computer bei Lightroom schon den Hebel für die Rauschreduktion weit nach rechts gedrückt. Aber wie aus der Medizin schon bekannt ist, können bei der Verwendung des einen oder anderen Gegenmittels schädliche Nebenwirkungen nicht ganz ausgeschlossen werden. Rauschreduzierung geht zu Lasten von Bildschärfe und Details. Natürlich kann das auch in LR nachgeregelt bzw. ausgeglichen werden. Ich habe hierbei eine Maske gesetzt, um nur den Kometen nachzuschärfen.

Kleinere ISO-Werte sind gleich weniger Rauschen plus höhere Belichtungszeiten. Bei der Wahl der Belichtungszeit sollte man aber berücksichtigen, dass die Erde sich dreht und der Komet ja auch mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist. Aus den Lichtpunkten der Sterne werden somit dann ganz schnell helle Streifen. Ich habe hier bei meinen Fotoreihen mit den ISO-Werten etwas gespielt. Die genauen Werte liegen als Beschreibung unter den Aufnahmen. Angefangen von ISO 6400 habe ich mich bis ISO 2500 vorgearbeitet. Die Einstellung der Belichtungszeit habe ich der Kamera überlassen. Möglicherweise wäre in Sachen ISO-Wertverringerung noch mehr gegangen aber mit ISO 2500 und einer Belichtungszeit von ungefähr einer Sekunde konnte ich mit den Ergebnissen, die ich vor Ort am kleinen Monitor der Kamera begutachtet hatte, schon recht gut leben. Den Rest sollte die Bildverarbeitung am Computer erledigen.

Um durch mein Hantieren hervorgerufene Erschütterungen bei der Aufnahme auszuschließen, habe ich das Auslösen des Bildes um rund 10 Sekunden verzögert. Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich durch mein Versäumnis nicht gerade das beste Stativ dabei hatte. Glücklicherweise war es auch windstill gewesen, denn bei Sturm hält die Kamera auch auf dem besten Stativ nicht still.

Kommen wir noch zum Punkt „Weißabgleich“. Für den Kometen habe ich die Einstellung auf „AWB“ gestellt und die Entscheidung der Kamera überlassen, die sich mangels Referenzen im Bild an dieser Stelle natürlich schwer tut. Mitunter habe ich sowieso das Gefühl, dass Canon-Kameras eher dazu neigen, das Bild wärmer also etwas gelblicher zu machen. Welche Farbe der Komet wirklich hat, kann ich im Nachhinein nicht mehr genau sagen. Ein strahlendes Weiß  würde ich aber einmal grundsätzlich bezweifeln, schließlich hat die Sonne, deren Licht er ja reflektiert, ja auch nicht 100% Weiß im Angebot. Wer will, kann sich später am Computer seine Farbe je nach Lust und Laune hinbiegen. Wer das umgehen möchte, macht die Aufnahme einfach nur schwarz-weiß. 

Beim Betrachten der Ergebnisse am großen Computermonitor fiel mir auf, dass ein leicht oranger Lichtschein (hervorgerufen entweder durch die Straßenlampen am Boden oder dem Sonnenuntergang) sich auf einigen Bildern (trotz aller Vorsicht bzw. großer Weite) eingeschlichen hat. So völlig dunkel ist es vielleicht nur noch irgendwo am Nordpol, wo nicht einmal die Eisbären Taschenlampen haben. Auch wurde nicht jedes Bild ausreichend scharf gezogen. Somit war die Entscheidung auch richtig, mehrere Serien mit immer wieder neu eingestellter Schärfe aufzunehmen. Was das Bildrauschen angeht, so zeigt mein großer Monitor im Gegensatz zum kleinen in der Kamera an, dass ich wohl doch probeweise noch etwas hätte tiefer mit den ISO-Werten gehen können. Bei letzterem hilft wie gesagt Lightroom mit seinen Reglern. Ich habe die Regler aus bereits o.g. Gründen aber trotzdem nicht ganz nach rechts gerückt, so dass ein wenig Rauschen immer noch zu sehen ist.

Mein Fazit: Auch ohne die professionelle Ausrüstung eines Astrofotografen lassen sich schöne Bilder vom Kometen Neowise anfertigen. Aber ohne Bildbearbeitung am Ende geht es dann doch nicht. Ich habe dabei einiges gelernt und das nächste Mal weiß ich, was ich noch verbessern kann.


Fotografieren in Zeiten von Corona

Fotografieren in Zeiten von Corona

Das Thema Corona wird uns wohl das gesamte Jahr 2020 beschäftigen, ob wir das nun wollen oder nicht. Seitdem die Pandemie auch in Deutschland angekommen ist, bin ich am ständigen Nachdenken darüber, wie ich in diesen Zeiten meine Arbeit im Bereich der Peoplefotografie weiter gestalten sollte. Die Einhaltung des geforderten Mindestabstands von 2 Metern zwischen Fotograf und Modell sollte kein Problem darstellen. Dagegen ist das Maskieren für beide während des Shootings nahezu unmöglich. Ein „weiter so“ wie bisher kann es im Moment leider nicht geben, denn die Kuh ist noch nicht vom Eis, auch wenn die ersten Ferienflieger mit Versuchs-Touristen nach Mallorca aufgebrochen sind und so manch einer das Gefühl vermittelt bekommt, dass alles schon irgendwie vorbei wäre. Es gelten noch in vielen Bundesländern Kontaktbeschränkungen und aus medizinischer Sicht existieren noch keine wirksamen Medikamente oder gar Impfungen, welche dem Virus den Schrecken nehmen.

Da die Diskussion um eventuell infektiöse Aerosole noch im vollen Gange ist, habe ich mich vorerst dazu entschieden, mein Studio noch nicht wieder zu nutzen und stattdessen nur im Outdoor-Bereich zu arbeiten. Voraussetzung dafür ist jedoch der Wegfall sämtlicher Kontaktbeschränkungen hier in Sachsen. Ich hoffe, dass ich hiermit auf Verständnis stoße und wünsche allen weiterhin beste Gesundheit.


Australien

Hilfe für Koala & Co.

Es passiert nicht oft, dass ich hier um etwas bitte. Aber ich kann auch nicht die Bilder ignorieren, die ich derzeit im Fernsehen anschauen muss. Wenn  Koalas bei ihrer Rettung vor Schmerz schreien oder jegliche Scheu vor dem Menschen verlieren und auf Feuerwehrmänner zugehen, um aus deren Wasserflasche zu trinken, dann blutet mir das Herz. Australien brennt! Das tut es immer einmal aber bedingt durch die langwierige heiße Trockenperiode haben die Brände apokalyptische Ausmaße angenommen. Man schätzt, dass rund 1 Milliarde Tiere bereits ihr Leben verloren haben. Wieviel Lebensraum ihnen durch die Brände genommen wurde, ist noch gar nicht richtig abzuschätzen.

Wir können von Deutschland aus im Moment nicht viel tun. Aber wir können spenden, damit gerettet werden kann, was noch zu retten ist. Die von Helfern geretteten Tiere müssen medizinisch betreut und gepflegt werden. Bis sie wieder zurück in ihr Territorium können (wenn überhaupt), wird einige Zeit vergehen. Alles das gibt es leider nicht zum Nulltarif sondern kostet Geld.

Deshalb bitte ich Sie, Ihr Herz zu öffnen und  mit einer Spende dazu beizutragen, dass die kleinen niedlichen Koalas, Kängurus und was noch so in Australiens Natur kreucht und fleucht gerettet werden können.

Ich selbst bin als Fördermitglied des WWF natürlich mit gutem Beispiel vorangegangen und habe bereits gespendet. Der Link zum WWF-Spendenprojekt für Australien.

Übrigens, diese Spenden sind steuerlich absetzbar. Sie erhalten vom WWF natürlich eine entsprechende Spendenquittung.


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